Geschichte und Rundgang

Kirchengeschichte und Rundgang

Die Ursprünge der Höfleiner Kirche gehen bis in die Mitte des 12. Jahrhundert zurück, wo in einem Kaufvertrag als topographische Bezeichnung eine „Cellula Hovilin“ erwähnt wird. Die Lage des wehrhaft angelegten Ensembles lässt auf noch deutlich weiter zurückliegende Ursprünge schließen. 

Es ist sehr naheliegend, dass sich wahrscheinlich an dieser Stelle bereits ein römischer Wehrturm befunden haben wird. 

Der Name „Höflein“ geht wohl zurück auf einen Meierhof (tschechisch Hev(e)lin, altdeutsch Hovelin, Hovilin, Hufelin, Houilin oder Hipelin), was darauf hindeutet, dass nicht nur von einem „Höfchen“ (Kirchhof) auszugehen ist, sondern eher von einer größeren Anlage mit mehreren Gebäuden und einer kleinen Kirche.

Frühromanische Kirche

1140 wird der Ort schon nach dem Patrozinium „St. Margareten“ genannt und kommt Anfang des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Grafen von Plain-Hardegg (das heutige Höfleiner Ortszeichen geht auf deren Siegel zurück), die 1248 den Ort samt dem Patronat über die Kirche dem Stift Klosterneuburg übergeben.

Mitte der 1960er-Jahre wurde der alte graue Verputz an der Außenseite der Kirche abgeschlagen und so die frühromanische Bausubstanz der Höfleiner Pfarrkirche wieder sichtbar. 

Der ursprüngliche Kirchenbau war etwa halb so lang wie die heutige Kirche, aber wahrscheinlich etwas höher. Der Eingang befand sich westlich und ist heute von einem turmstüzenden Pfeiler verdeckt, der romanische Bogenansatz ist aber noch deutlich sichtbar. Auf der Nordseite der Kirche kam eine kleine Ausfallpforte zum Vorschein, ebenso die alten romanischen Rundbogenfenster und – knapp vor Ende des ältesten Teiles, wo man die Baulinie zur Erweiterung des 17. Jahrhunderts deutlich erkennen kann – hohe, schießschartenartige gotische Spitzbogenfenster.

Barockisierung und Inneinrichtung

Ab 1682 verlor das Höfleiner Gotteshaus sein mittelalterliches Erscheinungsbild und wurde zu einer barocken Kirche (fünfjochiger Saalbau) umgebaut. Die Kirche wurde vorerst auf die doppelte Länge vergrößert, die romanische Flachdecke entfernt und ein barockes Gewölbe eingezogen. Der Turm mit einem Zwiebelhelm wurde auf Kosten der Gemeinde errichtet. (1775 brannte dieser jedoch ab und wurde 1846 – nach einem „Notdache von Schindeln“ – in der heutigen Form neu gedeckt.) Die Kirche wurde gepflastert, eine Kanzel des Stockerauer Tischlermeisters Johann Rothgraber (Diese wurde bei der Innenrestaurierung der 1950/60er-Jahre entfernt) sowie die Kirchenbänke aufgestellt.

Um 1725 erhielt die Höfleiner Pfarrkirche ihren wunderschönen Hochaltar, der nach einem Entwurf von Matthias Steinl (1643-1727) gefertigt ist, der zu dieser Zeit auch den Hochaltar der Stiftskirche zu Klosterneuburg schuf.
Das Altarbild stellt „Die Glorie der Heiligen Margareta“ dar. Das Original des Bildes stammt aus dem Jahr 1782 von Johann Martin Schmidt (Kremser Schmidt) und befindet sich in der Pfarrkirche Fels am Wagram.

1871 wurde das Bild (wahrscheinlich wegen Schadhaftigkeit) aus dem Rahmen entfernt und der Maler Wörndle fertigte eine Kopie, die den Hochaltar in Fels am Wagram fortan zierte. Als man in den 1950er-Jahren das Original am Dachboden des Pfarrhofes in Fels am Wagram entdeckte, wurde die Kopie nach ihrer Restaurierung der Pfarrkirche Höflein übergeben, da man im Zuge der damaligen Kirchenrenovierung ein passenderes Bild für den Höfleiner Hochaltar gesucht hatte.

Die Statuen der Heiligen am Hochaltar sind passend für den Ort gewählt (v.l.n.r):

-Hl. Leopold, Gründer des Stiftes Klosterneuburg, dem die Pfarre Höflein inkorporiert ist

-Hl. Augustinus, Ordensvater der Augustiner Chorherren zu Klosterneuburg

-Hl. Josef, Patron aller österreichischen Erblande

-Hl. Koloman, der auf einer Pilgerreise bei Stockerau (gegenüber Höflein) von misstrauischen Bauern als vermeintlicher Spion gehängt wurde

-Hl. Ambrosius von Mailand, Lehrmeister des hl. Augustinus

-Hl. Florian, der etwa zur gleichen Zeit gelebt hat wie die hl. Margareta und wahrscheinlich im römischen Cannabiaca, dem heutigen Zeiselmauer, geboren wurde.

An den die Apsis begrenzenden Säulen befinden sich die Statuen der hl. Barbara und der hl. Katharina. Margareta, Barbara und Katharina gehören zu den „14 Nothelfern“, wobei die genannten drei sowohl Jungfrauen als auch Märtyrinnen waren und im Volksglauben als „Die drei heiligen Madln“ verehrt wurden. Ihre Attribute werden in dem bekannten Reim erwähnt: „Margareta mi’m Wurm (Drache), Barbara mi’m Turm und’d Kathl mim Radl, dös san die drei heilig’n Madl“

Die silbergetriebene Ewiglichtampel ist ein barockes Kunstwerk eines unbekannten Meisters. Die sechs Kristall-Luster stammen aus der Werkstätte J. & L. Lobmeyr aus dem Jahre 1957.

Der Volksaltar und das dazugehörige Ensemble (Ambo, Kerzenleuchter, Osterkerzenleuchter) wurde im Jahr 2009 vom steirischen Bildhauer Hannes Fladerer, der auch den Volksaltar der Stiftskirche Klosterneuburg gestaltete, angefertigt.

Die Seitenaltäre beinhalten in Rokoko-Rahmen Kopien des Herz-Jesu-Bildes und des Bildnisses der Gnadenmutter von Maria Pötsch aus dem Wiener Stephansdom. Beide Gemälde wurden von dem Klosterneuburger Maler Karl Seelos 1958 gefertigt und sollen die Verbindung der kleinen diözesanen Grenzpfarre (der nächste Ort, Greifenstein, gehört schon zur Diözese St. Pölten) mit dem Erzbistum Wien verdeutlichen.

Das Bildnis des Guten Hirten (um 1700) ist ein Meisterwerk des barocken Bildhauers Giovanni Giuliani (1664-1744), der seinen Lebensabend im Stift Heiligenkreuz verbrachte.  Das barocke Bild gegenüber stellt den Hl. Karl Borromäus dar.

Die Kreuzwegstationen wurden 1960 (ebenso wie die Höfleiner Weihnachtskrippe) vom Höfleiner Bildhauer Franz Sühs angefertigt.

Unter dem Chor befindet sich die sogenannte Türkenmadonna, auch „Blumenmadonna“ oder „Mariahilf-Muttergottes“, die aus der Zeit um 1600 stammt und früher auf der Kanzel angebracht war.

Die Orgel stammt in ihrem Kern vom Klosterneuburger Orgelbauer Franz Reusch aus dem Jahr 1882. (Infos zum Orgelprojekt siehe ⇒ HIER)

Generationen von Menschen haben diesen Ort gestaltet und geprägt. Die Höfleiner Pfarrkirche ist in ihrer romanischen und barocken Schönheit ein historisches Zeugnis, sie ist aber auch ein Ort, an dem aktiv pfarrliches Leben stattfindet, Glaube und Gebet gelebt wird, Menschen freud- und leidvolle Momente in Gemeinschaft teilen und Woche für Woche in ihrem Hier und Jetzt ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre Dankbarkeit und Freude bringen.

Literatur

Eckleben, Rumold und Herta Kral: Wo der Wind von drei Seiten weht… Kurzgefaßte Studie über die frühromanische Pfarrkirche zu St. Margareta in Höflein a.D. Hg. vom Verschönerungsverein Klosterneuburg. Klosterneuburg: Selbstverlag. 1962.

Kral, Herta, Hermann Bersch u. Richard Zischinsky: Höflein an der Donau. Heimatbuch. Klosterneuburg – Wien: Mayer u. Comp. 1991.

Leuthner, Ludwig u.a.: Kirchenführer der Pfarrkirche Fels am Wagram. Krems: Eigenverlag. o.J.

Spandl, Josef: Pfarrkirche Sankt Margareta in Höflein an der Donau. Höflein: Eigenverlag. 1982

Zischinsky, Richard: Höflein an der Donau. In: Klosterneuburg Geschichte und Kultur. Band 2 – Die Katastralgemeinden. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Klosterneuburg – Wien: Mayer u. Comp. 1993.


Text: Christian Alfons
Fotos: Sylvia Vanek

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